Presseschau: Open Source! Der Kampf um freie Software

Christian Imhorst christian.imhorst at fsfe.org
Di Feb 1 17:04:42 UTC 2022


Hallo zusammen, hallo Michael, hallo Wolfgang,


hier ist der Artikel "Open Source! Der Kampf um freie Software" übrigens
auf deutsch ohne Paywall: https://monde-diplomatique.de/artikel/!5812126

Niemand bezweifelt, dass Menschen, die intrinsisch motiviert sind, freie
Software zu benutzen, das gerne tun. Diese Motivation kann verschiedene
Gründe haben, einer davon ist, wie ihr richtig sagt, Datensicherheit und
Privatsphäre ohne Hintertüren. Außerdem ist GNU/Linux super, um ältere
Hardware weiter zu benutzen und ist so nachhaltig. Andere Menschen davon
zu überzeugen macht Spaß und da bin ich sofort dabei in der LUG. Das
sind aber leider nur sehr wenige Nutzer:innen, die so denken wie wir.


Nur dreht sich die Welt weiter und mit neuen Technologien und neue
Geräteklassen gibt es neue Herausforderungen für Open Source:


1) GAFAM, diskutieren wir gerade, sorgt dafür, dass auf einen freien
Software Stack mit z.B. GNU/Linux und Apache ein unfreier Stack gesetzt
wird, der nur ihrem miesen Geschäftsmodell dient die Leute weiter
auszuspionieren und sie zu vermessen und sie mit Verhaltenspsychologie
dazu zu bewegen, der jeweiligen Plattform, noch mehr Daten von sich
preiszugeben. Das geht auch mit Twitter und Facebook auf meinem
Linux-Rechner, wenn ich es benutzen würde, aber am besten eignen sich
Smartphones, die nämlich noch mehr Daten über ihre Benutzer:innen an
GAFAM und andere Webdienste liefern, als es uns Nutzer:innen lieb sein kann.


2) Auch die Smartphones laufen auf Open Source-Software, Android auf
Linux und iOS auf XNU/Darwin und auf den ganzen proprietären Stack und
Apps, die Google und Apple noch oben drauf setzen. Da ist dann nicht
mehr viel mit Privatsphäre und Sicherheit persönlicher Daten. Die
Nutzung von Smartphones wird weiter zunehmen, die von PC und Laptop
weiter abnehmen. Wenn Google dann seine Linux Basis gegen Fuchsia auf
Android eintauscht, wird es auch kein LineageOS mehr geben, um
Smartphones weitestgehend von Überwachung zu befreien. Dann haben wir
entweder ein gut funktionierendes GNU/Linux auf Smartphones (wie Ubuntu
Touch) oder nix.


3) Die ARM-Architektur wird immer mehr Verbreitung auf Laptops finden
und wir bekommen vermutlich dieselbe Situation auf diesen Rechnern, wie
wir sie aktuell auf Smartphones haben: Zu jedem einzelnen Modell wird es
ein passendes Image geben müssen, das die proprietären Treiber gleich
mitbringt, oder das System startet ansonsten nicht. D.h. man wird
zukünftig nicht einfach eine beliebige Linux-Distribution verwenden
können, um einen Windows Laptop auf ARM Basis mit einem GNU/Linux zu
befreien und so Aktionen, wie Wolfgang das in Mühlheim und viele andere
woanders machen, wird es in Zukunft vermutlich immer weniger geben, weil
es technisch nicht mehr so einfach sein wird.


Auf der FSFE-Seite schreiben wir: Die Free Software Foundation Europe
will Nutzenden die Möglichkeit geben, Technologien zu kontrollieren.
Wenn ich mir die Gegenwart von Technologien so anschaue und diese
Anschauung mit der Zukunft verknüpfe, sehe ich da schwarz. Und da haben
Zacchiroli und die anderen Autoren des Artikels einfach recht, wenn sie
sagen, wir dürfen uns auf die Versprechen von GAFAM, dass das alles so
gemeinschaftlich und offen in ihrer Open-Source-Welt ist, nicht
hereinfallen. GAFAM gibt aktuell den Ton an, wie es mit Open Source und
freier Software weiter gehen wird, nicht wir.


Viele Grüße

Christian







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