Re: "Überwachungskapitalismus", Google und die FSF(E)

Christian Imhorst christian.imhorst at gmail.com
Mo Jan 14 09:41:10 UTC 2019


Hallo zusammen,

vorweg: Ich habe kein Problem damit, wenn die FSF(E) Geld von Google oder
MS annimmt, solange die Annahme und Verwendung des Geldes transparent
geschieht und kein Free-Washing stattfindet oder das Geld bestimmte
Entscheidungen beeinflusst.

Das gesagt, sehe ich allerdings das (philosophische) Problem, dass Freiheit
(Freie und Open Source Software) Unfreiheit schafft. Z.B. mit Linux:

Android ist eine Java-Runtime auf einem Linux-Kernel, die das fleißige
Sammeln von Nutzerdaten auf Geräten ermöglicht, deren Bootloader gesperrt
sind und über die der User keine Kontrolle hat.

ChromeOS läuft ebenfalls auf für Nutzer gesperrte Geräte mit einem
Linux-Kernel.

Ganz zu schweigen von IoT-Geräten wie Chromcast, etc. über die der Nutzer
keine Kontrolle hat.

All die Google, Facebook, Amazon, Microsoft (mit >51% Linux VMs in Azure) ,
XY Cloud-Anbieter Server, die ihre Nutzer überwachen und Daten sammeln,
laufen unter Linux.

Das ist jetzt eine nicht weiter durchdachte These von mir, die ich zur
Diskussion stellen möchte: Der Siegeszug und die Verbreitung eines freien
Betriebssystems hat zu mehr Unfreiheit geführt bzw. führt immer noch dazu.

Und es wird nicht besser: Das Open-Source Betriebssystem Fuchsia von Google
wird Android und ChromeOS verdrängen, so dass Fuchsia in ein paar Jahren
das am meisten genutzte OS auf Smartphones sein wird und in Chrome-Books
einen größeren Anteil auf dem Desktop-Markt haben wird, als es
Linux-Desktops je hatten. Es werden gesperrte Geräte (locked down devices)
sein, auf die der Nutzer keinen direkten Zugriff haben wird, außer über
eine mehr oder weniger proprietäre Oberfläche. Fuchsia wird das MacOS/iOS
von Google werden.

Ich sehe es eher so, dass FSF und FSFE sich konkret für Freie Software
einsetzen sollten, die den Nutzer die Kontrolle über seine Geräte, seine
Daten und seine Privatsphäre wiedergibt. Open Source hilft uns nicht weiter
und führt, wie man an Fuchsia sieht, zu einer weiteren Spirale von
Abhängigkeiten, da Fuchsia uns an die "Befreiung" von Geräten hindern wird.
Es wird kein LineageOS für Fuchsia geben, der Open Source Fuchsia-Kernel
wird von proprietären Treibern umgeben sein, ohne die moderne Smartphones
nicht funktionieren werden.

Wie gesagt, etwas unausgegoren, aber das beschäftigt mich gerade, während
FSFE und FSF sich darüber freuen, dass sich Microsoft immer mehr für Open
Source öffnet und Google Geld an Freie Software spendet etc.: Dass der
Marktanteil von Linux wächst ist für Freie Software Enthusiasten
mittlerweile kein Grund mehr, sich zu freuen und zu feiern, ebenso wenig,
dass Microsoft auf Open Source und Linux setzt.

Viele Grüße
Christian
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