Re: "Überwachungskapitalismus", Google und die FSF(E)

Luc Saffre luc.saffre at gmx.net
Mo Jan 14 07:59:12 UTC 2019


Eure Diskussion war sehr interessant. Ich wurde an die christliche
Maxime "Liebe deine Feinde" erinnert : die FSFE muss Google leider als
Feind betrachten, darf aber nie aufhören, mit ihnen zu verhandeln und
auch dankbar wenigstens schon mal einen Teil jendes "schmutzigen" Geldes
zurückfließen zu lassen.

Aber du sagst es: "Aber für mich bleibt nach wie vor die kritische Frage
nach der Finanzierung von SoftwareLibre." Ich glaube mittlerweile, dass
wir langfristig nicht an einer fundamentalen Änderung im Autorenrecht
vorbei kommen. Geistiges Gemeingut muss als solches anerkannt und
verwaltet werden. Und dann geht es nicht mehr nur um freie Software,
sondern auch alle anderen freien Inhalte, bis hin zu Filmen und
Patenten.  Und das geht nur, wenn wir als Bürger bereit sind, für die
Verwaltung und Produktion geistigen Gemeinguts in Form von Steuern zu
zahlen. Ich arbeite in meiner Freizeit an einem Vorschlag und suche
Mitdenker. Ich hatte meine Idee auch schon früher auf dieser Liste
geteilt und euer Feedback verdaut. Inzwischen steht meine Idee hier:
http://lutsu.saffre-rumma.net/

Luc

On 14.01.19 09:25, Kristian Rink wrote:
> Hallo alle;
>
> und danke für die verschiedenen Sichten hierauf. Ich will es kurz
> halten in zwei Themen:
>
> Am 12.01.19 um 23:05 schrieb GregorM64:
>>
>> Es ist ein Zielkonflikt zwischen Finanzierung und Vermeidung von
>> "Free-Washing", z. B. "Wenn die FSF nur wegen der paar Euros, die
>> über das Amazons Smile-Programm generiert werden (die dann übrigens
>> einer anderen Organisation fehlen, weil immer nur eine ausgewählt
>> werden kann), keine Probleme damit hat, deren Marke und das
>> Marketing-Programm weiter bekannt zu machen, wie schlimm kann dann
>> Amazon eigentlich sein?"
> >
>
> Ja, den Punkt Zielkonflikt sehe ich auch. Ich habe, wie gesagt, zu
> Aral keine Meinung und vermag nicht zu beurteilen, wie sehr ihm an der
> "Sache" gelegen ist und wie wichtig ihm eine sehr deutliche,
> kompromisslose mediale Selbstdarstellung ist - zumindest läßt sich mit
> ihm in elektronischen Kanälen sehr schlecht diskutieren, wenn man auch
> nur ansatzweise kritische Fragen stellt. Das halte ich insgesamt für
> extrem schlecht, von wegen "divide-and-conquer": Die Herausforderungen
> der gegenwärtigen digitalen Welt sind nicht unbeträchtlich, und die
> (vergleichsweise) "paar Aktivisten", die es gibt, sind noch damit
> beschäftigt, sich selbst nach Kräften an den Karren zu fahren, weil
> sie es nicht schaffen, sich halbwegs hinter gemeinsame Ziele oder
> zumindest Zielpriorisierung zu finden. Kann man machen. Macht aber die
> Dinge eher schwerer.
>
>>
>> Ich habe das Gefühl, dass Transparenz hier ein guter Weg sein kann:
>> aufzeigen, dass ein Zielkonflikt besteht, worin genau er besteht,
>> welche Optionen es gibt und wie aktuell damit umgegangen wird. An
>> jedem kritischen Firmen-Logo könnte ein Sternchen mit Link zu einem
>> gut formulierten Text stehen, den man als Durchschnittsaktivist zur
>> fundierten Erwiderung von berechtigter Kritik verwenden kann. 
> >
>
> Klares "Ja" hierzu. Transparenz halte ich auch für extrem wesentlich;
> das war auch einer der Hintergründe, diese Diskussion überhaupt zu
> beginnen. Die FSFE könnte das ja vielleicht nutzen, klar darzulegen,
> warum Sponsoren wie Google im Boot sind, wie viel Geld sie über den
> Zaun werfen und was damit getan wird, gern auch in Replik auf Arals
> Artikel? Bei GNOME bin ich mir dort noch im Unklaren; die durch Aral
> zitierte Arbeitsweise des Advisory Boards (von wegen "board-interne
> nicht-öffentliche Abstimmung") vermochte ich bislang noch nicht zu
> verifizieren. Wär's so, wäre es arg unschön, andererseits wären dann
> Google auch immer noch nicht *allein* auf diesem Board, wäre GNOME
> nach wie vor SoftwareLibre.
>
> Aber für mich bleibt nach wie vor die kritische Frage nach der
> Finanzierung von SoftwareLibre. Eine sehr hässliche Diskussion dazu,
> die ich in den letzten Tagen auch immer wieder hatte, war:
>
> "Google macht den Markt für unabhängige Software-Hersteller kaputt,
> weil sie ihre Produkte verschenken können, und finanziert darüber
> hinaus noch Organisationen wie die FSFE, die zwar SoftwareLibre
> wollen, wovon aber im Endeffekt für die Mehrzahl der Nutzer als
> wichtigster und offensichtlichster Vorteil auch nur bleibt, daß die
> Software gratis ist. Damit verlieren all jene, die es sich nicht
> leisten können, ihre Software zu verschenken, oder die kein
> Geschäftsmodell haben können, in dessen Rahmen sich Software frei
> entwickeln läßt."
>
> Das ist grenzwertig und ein anderes Thema, befeuert aber konkret in
> dem Sponsorship-Punkt die Diskussion und ist der Kommunikation pro
> SoftwareLibre keinesfalls zuträglich.
>
> Viele Grüße,
> Kristian
>




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