Artikel über Linux in der WAZ

Henry Jensen hjensen at gmx.de
Di Jul 5 12:13:19 UTC 2016


Hallo,

On Tue, 05 Jul 2016 10:44:14 +0200
"Wolfgang Romey (woro)" <woro at wolfgangromey.de> wrote:

> > GNU/Linux :)  
> 
> Selbst in der FSFE wird man teilweise schief angesehen, wenn man von GNU/Linux 
> spricht.

Ist mir bisher nicht aufgefallen.

> Erst wenn ein Artikel der reinen Linie entspricht, ist er akzeptabel? 

Nein, aber es wird aus meiner Sicht wie falsch argumentiert:

Zitat: [Das  Windows 10 Upgrade ist] "für die meisten Nutzer sinnvoll"

Da würde ich schon ein dickes Fragezeichen machen, die Gründe sind ja
bekannt, auch unter Nicht-Computer-Spezialisten und
Nicht-Freie-Software-Anhängern.

Zitat: "Wer sich mit Windows 10 aber partout nicht abfinden mag ..."

Hört sich schon für mich danach an "wer eben ein Dickkopf ist und
nicht begreift, was Microsoft euch gutes tut..."

Müsste aber eigentlich heißen 

"Wer sich nicht damit abfinden mag, sämtliche Computer- und
Internet-Aktivitäten der Kontrolle und Auswertung von Microsoft zu
unterwerfen..." 

Zitat: "Allerdings gibt es [bei GNU/Linux] auch einige empfindliche Nachteile"

Im weiteren Artikel habe ich aber keine solchen "empfindlichen Nachteile"
entdecken können, es sei denn, die Nicht-Verfügbarkeit bestimmmter
proprietärer Software wird als "empfindlicher Nachteil" gesehen.

Zitat: "Als freie Software ist er nicht nur kostenlos nutzbar, sondern wird
auch von vielen Programmierern weltweit seitdem weiterentwickelt. Auch
die verschiedenen Softwarepakete, die zusammen mit dem Kernel letztlich
das Betriebssystem bilden, sind freie Software. 
Für Endverbraucher hat das vor allem den Vorteil, dass
Linux-Betriebssysteme kostenlos sind und dass diese keine geheimen
Herstellerfunktionen enthalten können, da der Quellcode – also
gewissermaßen der Bauplan der Programme offen einsehbar ist."

Hier wird zwei mal das Kostenlos-Argument genannt - was jedoch beim
später erwähnten "Red Hat Enterprise" schon mal nicht zutreffend ist.

Der Begriff "geheime Herstellerfunktionen" ist für den Laien alleine
stehend m. E. unverständlich. Dieser Halbsatz wäre noch stark
erklärungsbedürftig gewesen - z. B. mit dem Hinweis, dass eben durch
die diese verdeckten Funktionen die Hersteller den Nutzer kontrollieren
können.

> Für mich deutlich mehr als halbvoll. Der Artikel knüpft zunächst an der 
> Bewußtseinslage der Leute an, um dann in klarer, verständlicher Sprache über 
> Linux zu informieren. Für mich wird auch deutlich ein Unterschied zwischen 
> frei und kostenfrei gemacht, weil klar darauf hingewiesen wird, daß die 
> Freiheit, und nicht die Kostenfreiheit, die Möglichkeit der Veränderung der 
> Software beinhaltet.

Das wird für mich aus dem Artikel so nicht klar. Der Hinweis, dass das
System "von vielen Programmierern weltweit seitdem weiterentwickelt"
wird trifft auf so ziemlich jede aktuelle Software zu, auch auf
proprietäre.

Dass dies bedeutet, dass JEDER etwas an der Software verändern und
diese dann weiter verteilen kann geht daraus eben nicht hervor.

Insgesamt habe ich eher den Eindruck, dass GNU/Linux hier etwas wie
sauer Bier angeboten wird, als Billig-Betriebssystem, das zwar sicher
und kostenfrei ist, aber eben nicht so gut ist ("nicht ganz so gut
bedienbar") und nicht viel kann ("Photoshop und Co. gibt es unter Linux
nicht") wie dass "sinnvolle" Windows.

Viele Grüße,

Henry





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