Bill Gates zu Freier Software in der Bildung

Martin Gollowitzer gollo at fsfe.org
Di Jul 16 10:57:27 UTC 2013


* RA Stehmann <anwalt at rechtsanwalt-stehmann.de> [130716 11:23, 
  mID <51E510EE.50704 at rechtsanwalt-stehmann.de>]:

> On 16.07.2013 10:32, Matthias Kirschner wrote:
> > Nettes Zitat von Bill Gates zu Freier Software in der Bildung:
> > 
> > http://www.golem.de/news/bill-gates-gott-sei-dank-fuer-kommerzielle-und-fuer-freie-software-1307-100396.html
> > 
> >   Gefragt nach seiner Ansicht zu geistigem Eigentum, antwortete Gates:
> >   "Gott sei Dank für kommerzielle Software" - diese ernähre eine Menge
> >   Menschen, die in diesem Bereich arbeiteten -, um gleich nachzusetzen:
> >   "Gott sei Dank für freie Software." Diese habe beispielsweise im
> >   Bildungswesen eine wichtige Funktion, da sie Schülern und Studenten
> >   die Möglichkeit biete, zu experimentieren und zu lernen.
> 
> Dieser Ansatz ist gefährlich, wird doch implizit behauptet, Freie
> Software sei (nur) im akademischen Umfeld sinnvoll und außerhalb dieses
> Bereiches müssten Entweickler Freier Software verhungern.
> Oder anders formuliert: Auf Freie Software kann man kein Geschäftsmodell
> gründen. Noch schärfer: Ohne Knebelung des Kunden kein Profit.

Allein die Tatsache, dass Bill Gates zwischen "Open Source" und
"kommerzieller" Software unterscheidet, zeigt, dass er es nicht
verstanden hat. Er ist und bleibt halt ein – wenn auch mittlerweile
humanitär aktiver – Idiot.

> Gerade bei Kreativen, die sich an ihr vermeintliches "geistiges
> Eigentum" (als einziges, was sie haben) klammern, fällt solche Rede
> leider auf fruchtbaren Boden.

Ja. Ich muss hier mal ein Zitat von einem Treffen des österreichischen
Teams bringen (Quelle nenne ich jetzt nicht): "If I ever see your
freedom flag on *my* intellectual property, I'm gonna sue your ass of
*your* intellectual property." Mir kam damals eine Karikatur in den
Sinn, die ich mangels zeichnerischen Talents nicht umsetzen konnte:
Steve Jobs (damals lebte er noch) steht mit einer Schrotflinte vor einem
Baum voll angebissener Äpfel, von dem gerade einige Kinder naschen und
ruft sowas wie "Get the fuck of my intellectual property". Heute müssten
wir Steve halt durch wen anderen ersetzen…

> Entwickler Freier Software sind in deren Augen demgemäß entweder
> (besoldete) Hochschulangehörige, altruistische Hobbyisten oder sonstige
> Philanthropen. Vielleicht auch noch kommunistische oder anarchistische
> Aktivisten. Jedenfalls keine Leute, die durch ihre Kreativität ein
> Einkommen erzielen können, dass sie und ihre Familie nachhaltig ernährt.

<Zynismus>
Natürlich nicht. Alles Kommi-Scheiße, dieses freie Zeug. Man sieht ja an
Nordkorea, was dabei rauskommt, wenn man sowas einsetzt.
</Zynismus>

> Also: ein sehr vergiftetes Lob auf Freie Software.

Kommt ja auch von jemandem, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem
Ausscheidungsorgan hat. Wenn ich der Menschheit zuerst Geld in
Milliardenhöhe abpresse, indem ich ihre Daten einsperre, kann ich
nachher leicht die Hälfte davon verschenken. Dass es anders geht, zeigt
das Geschäftsmodell (falls man das so nennen kann) hinter VIM. Da geht
das Geld wenigstens direkt an die Bedürftigen. 

Liebe Grüße, 
Martin 
-------------- nächster Teil --------------
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