Politische Motivation fuer Gruene [war: Re: Guter Artikel bei Heise zu Secure Boot]

theo.schmidt at wilhelmtux.ch theo.schmidt at wilhelmtux.ch
Do Jan 26 09:47:15 UTC 2012


Am 25.01.2012 16:11, schrieb Marvin Cohrs:
...
> Da bin ich längst bei, aber am Ende stoßen sie alle auf Probleme, schieben
> sie auf GNU/Linux und das ganze war kontraproduktiv. Produktiv funktioniert
> das erst, wenn man sie überzeugend über den ethischen Aspekt aufklärt...
...

Ich mache wieder mal einen Versuch bei den schweizerischen Grünen, die 
sich abgesehen von Einzelnen eher für Firmen wie Microsoft oder Apple 
einsetzen, als für freie Software. Aber am Montag erschien in der 
Zeitung "Der Bund" folgender Artikel, teilweise zitiert, wo man sieht, 
dass die Philantropie von Bill Gates, neben seinem Engagement für die 
Atomkraft, aus grüner Sicht wohl kontraproduktiv ist. Vielleicht reicht 
das, um ein Umdenken auszulösen. Zwar ist Microsoft nicht so schlimm wie 
Firmen wie Monsanto, aber laut dem Artikel eine Zudienerin, via die Bill 
und Meleinda Gates Stiftung.

Viele Grüsse, Theo

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Der Bund, Bern, 23. Januar 2012, Seite 10

Tribüne
Eine neue Vision für den Bauernstand
verspricht das WEF-Programm in Davos. Es ist alter
Wein in neuen Schläuchen.

Caroline Morel

Schöne neue Landwirtschaft

Die Landwirtschaft steht weit oben auf
der Agenda, wenn die Mächtigen der
Welt diese Woche in Davos über «Die
grosse Transformation» debattieren.
«Neue Vision für die Landwirtschaft»
heisst das Projekt, das am World Economic
Forum (WEF) 2012 präsentiert wird.
Man wolle damit den Hunger bekämpfen,
heisst es. Wer will das nicht? Doch
bei Lichte betrachtet geht es um das,
was das Weltwirtschaftsforum auch
sonst umtreibt: um neue Geschäftschancen
in einem lukrativen Sektor, in dem
man «dank Marktlösungen nachhaltiges
Wachstum anstossen» will.
Die Liste der Unternehmen, welche
die strategische Ausrichtung der «Vision
» kontrollieren, liest sich denn
auch wie das Who’s who des globalen
Agrobusiness: Monsanto, Syngenta,
Nestlé, BASF, Bayer, Kraft, Cargill, und
so weiter und so fort. Und die direkt
Betroffenen? Die Bäuerinnen und
Bauern, die Konsumentinnen und
Konsumenten? Fehlanzeige. Deren
Organisationen fehlen genauso auf
der Liste wie die nationalen oder
internationalen Organisationen aus
dem landwirtschaftlichen Bereich –
ob staatlich oder nicht.

Bill Gates’ Mission

Das Ziel dieser «New Vision for Agriculture
» am WEF ist klar: Es geht darum,
den Agrarkonzernen die Tür zu
den Entwicklungs- und Schwellenländern
noch weiter zu öffnen.
Was damit verbunden sein wird,
dürfte in Davos nicht im Rampenlicht
stehen: Kleinbauernbetriebe müssen
Monokulturen weichen, die auf Kunstdünger
und Pestizide angewiesen sind
– und nicht zuletzt auf das ganze Spektrum
gentechnisch modifizierter Pflanzen,
gemixt in den Labors, die von
Stiftungen wie jener von Bill Gates und
seiner Allianz für eine Grüne Revolution
in Afrika (Agra) finanziert werden.
Der joviale Microsoft-Chef wird wie
jedes Jahr in Davos die Vorzüge der
Hightech-Landwirtschaft preisen, in
die er Milliarden investiert. Wie die
Gates-Stiftung in der afrikanischen
Landwirtschaft aktiv ist, hat Anfang
Januar eine Reportage im Fernsehsender
France 2 beleuchtet. Fazit: Die
Verflechtungen mit ehemaligen Monsanto-
Kaderleuten sind eklatant. Diese
sitzen heute im Vorstand der Gates-Stiftung
und der Allianz für eine Grüne
Revolution in Afrika. Rührend – und berührend
– wirkte demgegenüber die
Bitte eines afrikanischen Bauern, man
möge ihn und seine Kollegen mit all
den technischen Lösungen doch bitte
in Ruhe lassen.
Gates-Stiftung und Agra, präsidiert
von Kofi Annan, beziehen ihre Zielgruppe
– die afrikanischen Bauern –
kaum in die Entwicklung ihrer Strategien
ein. Stattdessen werden hoch
bezahlte afrikanische Forscherinnen
vorgeschoben, die ein Loblied auf das
Gentech-Saatgut singen.
Schade, denn Gates und Annan
könnten dank ihrer Mittel und ihres
Renommees viel Gutes bewirken. Dafür
müssten sie aber die Empfehlungen des
Weltagrarberichts umsetzen und eine
kleinbäuerliche Landwirtschaft fördern,
die ohne Verschleiss von Boden,
Wasser und Energie auskommt, also
tatsächlich nachhaltig wäre. Eine
Landwirtschaft auch, die auf Wissen
und Arbeit setzt, nicht auf fossile
Energie und Kapital.

Innovation von unten

Immerhin: Am WEF wird über Ernährung,
Hunger und Landwirtschaft diskutiert.
Dem Thema wird also Gewicht
eingeräumt. Bald wird zum Davoser
Organsationsteam auch Josette Sheeran
stossen: Die Direktorin des UNO-Welternährungsprogramms
ist ab April Vizepräsidentin der WEF-Stiftung.
Sheeran bringt kraft ihres Mandats
Erfahrung mit in der Hungernothilfe.
Das als «neue Vision» präsentierte
WEF-Landwirtschaftspaket entpuppt
sich aber als alter Wein in neuen
Schläuchen, der erst noch von jenen
Weinhändlern verkauft wird, die zuvor
den Rebberg vergiftet haben.
Mit der Allianz zwischen Big Business
und Symptombekämpfern lässt
sich in der Landwirtschaft die «grosse
Transformation» sicher nicht herbeiführen.
Innovative Lösungen, die das
Übel an der Wurzel packen, müssen
nicht von oben, sondern von unten
kommen: von den weltweit rund
850 Millionen Kleinbäuerinnen und
Kleinbauern, die selbst am besten
wissen, wie sie sich zu helfen haben.
Wenn man sie denn liesse.

Caroline Morel ist Geschäftsleiterin von
Swissaid und Präsidentin von Alliance
Sud, der Dachorganisation der
Schweizer Entwicklungshilfswerke.
http://swissaid.ch



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