AVM verletzt die Lizenz des Linuxkernels

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Mo Jun 20 08:59:50 UTC 2011


= AVM verletzt die Lizenz des Linuxkernels =

[Online lesen: http://fsfe.org/news/2011/news-20110620-01.de.html ]


== Linuxkernel im Mittelpunkt eines Kampfs um die Kontrolle über
Embedded-Geräte ==

Berlin, 20. Juni: Morgen, am 21. Juni, findet am Landgericht Berlin die
Anhörung zu einem Rechtsstreit statt, der weitreichende Konsequenzen
über die Zukunft der Entwicklung und des Vertriebs von Software haben
könnte. In diesem Verfahren stehen sich gegenüber, der Vertreiber von
DSL-Routern AVM Computersysteme Vertriebs GmbH (AVM) und die Cybits AG
(Cybits), ein Hersteller von Filterungssoftware für Kinder. Beide
Firmen benutzen den Linuxkernel, der unter der GNU General Public
License Version 2 (GNU GPL) steht, die jedermann das Recht gibt, die
Software zu verwenden, zu verstehen, zu verteilen und zu verbessern.

Der Fall wurde von AVM mit dem Ziel vor Gericht gebracht, Cybits davon
abzuhalten jegliche Teile der Firmware zu ändern, die in den Routern
von AVM Verwendung finden, einschließlich des Linuxkernels. Die Free
Software Foundation Europe (FSFE) und gpl-violations.org sehen AVMs
Vorgehen als breiten Angriff auf die Prinzipien Freier Software und
damit auf tausende von Menschen und Unternehmen, die Freie Software
entwickeln, verbessern und verbreiten.

„Ich habe mich entschieden, meinen Beitrag zum Linuxkernel unter die
GNU GPL zu stellen und andere von meiner Arbeit profitieren zu lassen.
Es freut mich, wenn Firmen viel Geld mit Software verdienen, die von mir
und tausenden anderen geschrieben wurde. Im Gegenzug erwarte ich aber
von ihnen, dass sie, wenn sie meine Software weiterverteilen, anderen
die selben Rechte geben, die ich ihnen eingeräumt habe“, sagt Harald
Welte, Gründer von gpl-violations.org, der das Urheberrecht an mehreren
Teilen des Linuxkernels hält.

Das aber ist genau das, was AVM versuchte zu vermeiden, als sie 2010
zwei Klagen gegen Cybits einbrachten. AVM behauptete, dass wenn ihre
Kunden die Filtersoftware von Cybits auf ihren Routern installieren, die
Firmware der Router verändert und damit das Urheberrecht von AVM
verletzt wird. Aus der Sicht von AVM ist nicht einmal die Veränderung
der Komponenten der Firmware, die dem Linuxkernel entstammen, erlaubt.
Das Berliner Berufungsgericht wies dieses Argument in seiner
Entscheidung über den Antrag auf eine einstweilige Verfügung im
September 2010 zurück, nachdem Harald Welte in dem Fall interveniert
hatte. Nun muss das Landgericht Berlin nochmals in diesem Fall
entscheiden, diesmal in einem Hauptsacheverfahren.

„Dieser Fall hat weitreichende Konsequenzen für die Zukunft Freier
Software und der GNU GPL. Die GNU GPL ist eine rechtliche Lizenz, die
von den ursprünglichen Autoren der Software festgelegt wurde. Diese
Bestimmungen sind nicht optional“, sagt Till Jaeger von JBB
Rechtsanwälte, der Herrn Welte in dem Fall vertritt.

Wenn AVM anderen verbieten könnte, die Freiheiten wahrzunehmen, die von
den Lizenzbestimmungen der GNU General Public License explizit
eingeräumt werden, würde das den Rechten der ursprünglichen Autoren
der Programme direkt widersprechen. Diese haben entschieden, dass die
Freiheit von Software und die Zusammenarbeit für sie wichtiger ist als
Lizenzgebühren. Zusätzlich hätte dies signifikante Auswirkungen auf
Unternehmen und die Wirtschaft im Allgemeinen. Erstens gäbe es
Geräteherstellern die Möglichkeit, Software von Drittanbietern auf
ihren Geräten zu verbieten, was zu schlechteren Produkten für den
Endanwender und einem „Lock-In-Effekt“ führt. Zweitens gäbe es
Firmen wie AVM einen ungerechtfertigten Vorteil gegenüber ihrer
Konkurrenz. Drittens würde es das kooperative
Softwareentwicklungsmodell bedrohen, das derzeit erfolgreich von vielen
Firmen auf der ganzen Welt eingesetzt wird.

„AVM greift direkt die Grundlagen Freier Software an: Sie wollen
anderen die Freiheit entziehen. Wir müssen handeln, wenn eine Firma
andere dafür verklagt, dass sie ihr Recht wahrnehmen, die Software zu
verändern. Das Verhalten von AVM kann nicht toleriert werden. Wenn sie
vor Gericht erfolgreich wären, wäre das katastrophal für den globalen
Markt für Embedded-Geräte wie Telefone, Netzwerkhardware und andere
linuxbasierte Produkte“, sagt Matthias Kirschner,
Deutschlandkoordinator der FSFE.

„Ironischerweise verletzt AVM selbst die Lizenzbestimmungen, indem sie
andere daran hindern, die von der GNU GPL gewährten Rechte
wahrzunehmen. Sie haben daher kein Recht mehr, die Software zu
verbreiten“, sagt Till Jaeger.

Die FSFE und gpl-violations.org fördern die Verwendung Freier Software
durch Unternehmen und Entwickler, indem sie Lizenzierung und Lizenz-
Konformität so einfach wie möglich machen. Es ist für gewöhnlich
wesentlich einfacher, Freie-Software-Lizenzen zu befolgen als EULAs und
andere Lizenzabkommen unfreier Software. Oftmals ist es ausreichend,
eine Kopie des Lizenztextes der GNU GPL zur Dokumentation hinzuzufügen
und das Angebot, den Quelltext zur Verfügung zu stellen zu unterbreiten
(siehe dazu die Tipps der FSFE zur Lizenzeinhaltung[1]).

1. http://fsfe.org/projects/ftf/useful-tips-for-vendors.de.html

- Link zu Hintergrundinformationen[2]
- Entscheidung der zweiten Instanz im Verfügungsverfahren (pdf)[3]
- Intervention durch Harald Welte (pdf)[4]
- FSFE's legal page[5]
- Die Rechtsabteilung der FSFE pflegt eine Sammlung von Dokumentation
  über Rechts- und Lizenzthemen zu Freier Software. Sie stellt
  außerdem Leitfäden und Handbücher zur Verfügung.[6]
- Häufig gestellte Fragen zu den GNU-Lizenzen[7]
-  GNU GPL Version 2[8] und inoffizielle Übersetzungen[9]

2. http://fsfe.org/projects/ftf/avm-gpl-violation.de.html
3. http://fsfe.org/projects/ftf/kg-avm-vs-cybits.pdf
4. http://fsfe.org/projects/ftf/avm-nebenintervention.pdf
5. http://fsfe.org/projects/ftf/index.de.html
6. http://fsfe.org/projects/ftf/documentation.de.html
7. http://www.gnu.org/licenses/gpl-faq.html
8. http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/gpl-2.0.html
9. http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/gpl-2.0-translations.html



== Press contacts ==

  Matthias Kirschner <mk at fsfe.org>, Free Software Foundation Europe
  Linienstraße 141, 10115 Berlin
  Phone: +49-30-275 95 290 Mobile:  +49-1577-178 000 3


== gpl-violations.org ==

  The gpl-violations.org project is taking legal and other means to
  make sure commercial users of Free Software are adhering to the GNU
  General Public License.  gpl-violations.org has enforced the GNU GPL
  in hundreds of cases, most of them amicably and out of court.
  However, if neccessary, legal means such as warning notices,
  preliminary injunctions and civil copyright lawsuits are used in
  order to ensure companies are following-up with their obligations
  under the GNU GPL.
  gpl-violations.org was started by Free Software developer Harald
  Welte, who has received multiple awards in recognition of his legal
  efforts on enforcing the GNU GPL.


== About the Free Software Foundation Europe ==

  The Free Software Foundation Europe (FSFE) is a non-profit
  non-governmental organisation active in many European countries and
  involved in many global activities. Access to software determines
  participation in a digital society. To secure equal participation in
  the information age, as well as freedom of competition, the Free
  Software Foundation Europe (FSFE) pursues and is dedicated to the
  furthering of Free Software, defined by the freedoms to use, study,
  modify and copy. Founded in 2001, creating awareness for these issues,
  securing Free Software politically and legally, and giving people
  Freedom by supporting development of Free Software are central issues
  of the FSFE.

  http://fsfe.org/




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