Fwd: OpenSource-Strategien

Henry Jensen hjensen at gmx.de
Fr Dez 3 10:13:36 UTC 2010


Hallo zusammen,

On Thu, 2 Dec 2010 17:22:38 +0100
Matthias Kirschner <mk at fsfe.org> wrote:

> > > Ich sehe nicht, dass es zwei unterschiedliche Gemeinschaften gibt. 
> > 
> > Dann ist die Meinung der FSFE in diesem Punkt anders als die der FSF?
> > Verstehe ich das richtig?
> 
> Richard hat in letzter Zeit soweit ich gesehen habe nicht mehr von zwei
> unterschiedlichen Gemeinschaften gesprochen. Die FSFE hat dies nicht
> gemacht. Freie Software und Open Source sind Begriffe für ein und die
> selbe Sache. Wir verwenden den Begriff Freie Software
> http://www.fsfe.org/campaigns/whyfs/whyfs.de.html, aber wir sehen Leute
> die andere Begriffe verwenden nicht außerhalb unserer Gemeinschaft.

Der Artikel "Why Open Source misses the point of Free Software" auf 
http://www.gnu.org/philosophy/open-source-misses-the-point.html ist m. E. recht 
aktuell

Insbesondere der Text unter dem Abschnitt "Different Values Can Lead to Similar 
Conclusions…but Not Always" ist lesenswert, da er den fundamentalen Unterschied aufführt.

Ein Open Source Anhänger wird proprietäre Software nicht ablehnen, wenn er sie gut
findet - er mag es zwar bedauern, dass das Programm nicht Open Source ist, aber er wird
keine Bedenken haben, es trotzdem einzusetzen.

Ein Anhänger der freien Software wird jedes proprietäre Programm ablehnen, egal wie 
toll es ist.

Ich habe das selbst schon öfters in Diskussionen mit OpenBSD-Leuten erlebt. Die 
OpenBSD-Anhänger sind (sicher zu recht) stolz darauf, dass ihr Betriebssystem frei von Blobs, 
offen und sicher ist. Aber sie haben (zumindest die Leute, mit denen ich geredet haben) 
keine Bedenken proprietäre Betriebssysteme auf den Clients und Workstations einzusetzen, 
solange der Server, die Firewall, etc., auf die der Client zugreift unter OpenBSD läuft.

Anderes Beispiel: Ich habe bei Aufkommen von MacOS X erlebt, wie viele "Open Source" Enthusiasten 
zu Mac-Anhängern wurden. Zwar ist der Kern (Darwin) von MacOS X frei, aber der gesamte grafische 
Überbau ist proprietär. Ich behaupte daher mal ganz platt: Aus Sicht der "Open Source Community"
ist MacOS X Windows vorzuziehen, aus Sicht der "Free Software" Community gibt es keinen Unterschied 
zwischen Windows und MacOS X - beides sind proprietäre Systeme.

Ganz aktuelles Beispiel: die zweite Keynote auf der "Open Rhein Ruhr" lautete 
"Freies Wissen - Sammlung und Befreiung von Wissen". Der Vortrag wurde mit einem MacBook mit MacOS X präsentiert - weswegen ich den Vortrag wieder verlassen habe, denn der Vortragende machte sich 
damit in meinen Augen unglaubwürdig.

Das heißt nicht, dass die "Open Source" und "Free Software" Communities nicht zusammenarbeiten können, zumindest wenn es um die konkrete Entwicklung freier Software geht. Bei einer Podiumsdiskussion
oder gar in einem Gremium würde ich mich jedoch nicht drauf verlassen, dass ein "Open Source" Aktivist 
meine Positionen vertritt.


Viele Grüße,

Henry



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