Freiheit bei anderen Werken (was: Re: Created with Free Software Stempel)

Volker Grabsch vog at notjusthosting.com
Do Apr 1 01:22:13 UTC 2010


Matthias Kirschner <mk at fsfe.org> schrieb:
> * Volker Grabsch <vog at notjusthosting.com> [2010-03-26 17:32:41 +0100]:
> 
> > Verballhornung, Karrikaturen, Parodien und Satire kann man hingegen
> > nicht verbieten. Die sind nämlich in sehr großem Umfang erlaubt.
[...]
> > Wer ein persönliches Problem damit hat, seinen Mitmenschen diese
> > Freiheiten zuzugestehen, wer das "nicht will", dem hilft keine
> > ND-Lizenz, sondern der muss seine Werke unter Verschluss halten.
> 
> Jetzt schreibst du selbst, dass sehr viel auch mit einer ND Lizenz
> möglich ist. Das wollte ich die ganze Zeit verständlich machen :) Was
> ich aber dennoch mit der ND verhindern kann (oder zumindest danach
> klagen) ist, dass jemand mein Werk abändert... 
> 
> Karrikaturen, Parodien und Satire sind ja neue Werke. Ob diese von
> anderen inspiriert wurden oder nicht. 

Mir ist immer noch nicht klar, was du mit "nicht abändern" meinst.
Eine Abänderung ist auch nichts weiter als ein neues Werk. Schließlich
ist die ursprüngliche Version nach wie vor verfügbar.

Es ist ja kein Gemälde, in das jemand hineingemalt hat, oder eine
Statue, von der jemand ein Stück abgeschlagen (oder hinzugefügt)
hat. Wir reden schließlich von der Informationswelt, nicht von der
materiellen Welt.

Nun könnte man sagen, "Abänderungen" erkennt man daran, dass sie dem
"Original" sehr ähnlich sind. Allerdings gibt es Abänderungen, die
nach einer gewissen Zeit kein Wort mit dem Original gemeinsam haben,
obwohl sie durch viele kleine Überarbeitungen aus diesem hervorgegangen
sind. Zudem gibt es Satire, die dem Original erschreckend ähnlich ist.
Und manche Originale können sogar _unverändert_ als Satire durchgehen. ;-)

Diese Trennung in "abgeänderte Werke" und "neue, davon inspririerte
Werke" kann ich daher in der Informationswelt nicht nachvollziehen.

> > > Was ich hier hinderlich finde ist, wenn die
> > > Lizenz es Nutzern verbieten will die Werke mit anderen auszutauschen. Das
> > > führt meiner Ansicht nach zu einer assozialen Gesellschaft.
> > 
> > Du weißt aber schon, dass du damit genau gegen NC argumentiert?  ;-)
> 
> Wie schon gesagt, finde ich die NC nicht gut (z.B. weil man sich nicht
> in Freie Software integrieren kann). Allerdings arguemntiere ich mit dem
> oben nicht gegen NC. Deswegen hatte ich _Nutzer_ geschrieben. Wenn
> jemand etwas kommerziell weiterverbreitet ist er nicht mehr ein reiner
> Nutzer. 

Und wenn jemand das auf sein Blog packt, auf dem ein kleines Google-Ad
läuft? Oder wenn es Teil eines Werbespots wird, den sich jeder Mensch
auf der Welt kostenlos ansehen kann?

Man sollte meinen, beides läge noch im Interesse des Autoren, aber
NC in all seiner Strenge dürfte das wohl verbieten.

Diese Grundhaltung des Kommerziellen als Feindbild finde ich sehr
bedenklich. Richard Stallman hat schon sehr früh die Weichen dafür
gestellt, dass Freie Software auf keinen Fall diese Richtung einschlägt.
Und die Geschichte hat gezeigt, dass diese Strategie verdammt geschickt
war.

> Bei Freier Software haben wir viele Möglichkeiten Geld zu verdienen. Bei
> anderen Werken kann es schwieriger sein damit Geld zu verdienen, wenn du
> sie auch kommerziell weitergeben darfst. 

Das stimmt, aber andererseits ist der Verkauf von Einzelnutzungs-
Lizenzen bei anderen Werken _noch_ schwieriger als bei Software.

In Software kann man seinen Kopierschutz direkt einbauen - zur Not
in jedes Produkt einen neuen Kopierschutz. Bei anderen Werken geht
das nicht, da musst du erstmal eine DRM-Platform etablieren.

Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die Ziele, die ein
Künstler bei NC im Auge hat, mit NC kaum zu erreichen sind - wohl
aber mit BY-SA. Die "bösen Kommerz-Firmen" haben dann die Wahl, ob
sie etwas der Gemeinschaft zurückgeben und mit dem Autor anderen
Konditionen (i.d.R. gegen Geld) vereinbaren. Das heißt, die gleiche
Fairness, aber bessere Verbreitungsmöglichkeiten um bekannt zu werden.

> NC vschränkt eine weite Verbreitung ein. Sie hindert mich aber nicht,
> dass ich den Film, Bild, Musik, ... allen Leuten weitergebe, die ich
> kenne.

Ja, aber auch hier gibt es mit NC wieder unschöne Fragen: Wenn ich
es meinen Freunden auf DVD brenne, und die mir im Gegenzug den
aufgerunderen Rohling-Preis zahlen, oder ein paar leere Rohlinge
geben ... was dann? Und selbst wenn ich den exakten Rohlingpreis
erhalte bzw. die exakte Zahl an leeren Rohlingen zurückbekomme,
könnte man das immer noch als wirtschaftliche Tätigkeit ansehen,
oder?

Der Jurist mag hier vielleicht die genauen Trennlinien kennen,
sofern das Gesetz bzw. die Formulierungen in den CC-Lizenzen
eindeutig sind. Für den normalen Nutzer aber ist das auf jeden
Fall eine lästige Grauzone, und er wird damit kaum anders umgehen
als mit einem proprietären Werk - d.h. er wird das Werk nur unter
der Hand weitergeben, unter dem Radar.

Das heißt, die Aufmerksamkeit auf das Werk wird nicht größer, und
somit hat der Künstler gar nichts von der CC-Lizenz.

> Puh... danke auf jeden Fall schon mal für die Diskussion... hilft mir
> weiter :)

Geht mir genauso. :-)


Gruß,

    Volker

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Volker Grabsch
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