AW: Fwd: Re: [ox] RMS in Stuttgart

Stefan Meretz stefan.meretz at hbv.org
Mo Jun 10 11:41:55 UTC 2002


On Monday 10 June 2002 10:40, Till Jaeger wrote:
> -Und heute funktioniert das "Abkommen" mit den langen Laufzeiten eben
> nicht -mehr. Deswegen plädiert er für drastisch kürzere Laufzeiten
> (Filme 20 J., -Bücher 10 J, Software 3 J.). Da ist der Unterschied zu
> mir (0 Jahre) -nicht mehr so groß. Ich bin halt der Meinung, dass der
> Zweck für den -Einzelnen und der Progress für alle viel besser ohne
> Copyright erreicht -werden kann. Das ist ja gerade der subversive Sinn
> und die Wirkung der -GPL (basiert auf dem Copyright, setzt seinen
> "Sinn" ausser Kraft).
>
> Copyleft funktioniert nur, weil es das Urheberrecht gibt und ohne
> Urheberrecht auch keine Freie Software:

Das stimmt nicht. Oder du bezeichnest die Software vor der großen 
Propretarisierungs-Wende Anfang der Achtziger nicht als "frei" - was ich 
auch hin- und wieder aus "didaktischen" Gründen tue: ohne unfreie 
Software keine freie Software. Das Urheberrecht war für die Tatsache der 
Freiheit damals bedeutungslos, sozusagen "neutral".

> Wenn ein freies Programm von Unternehmen X weiterentwickelt wird (z.B.
> in einer Art und Weise die für alle von Bedeutung ist) und X dann den
> Sourcecode nicht zur Verfügung stellt, ermöglicht die GPL, X zur
> Offenlegung des Sourcecodes zu zwingen - eben weil sich Copyleft des
> Urheberrechts bedient. Ansonsten bestünde keine Möglichkeit, die
> Freiheit durchzusetzen.

Das stimmt genauso wenig: Die Freiheit funktionierte früher auch ohne 
Copyleft. Ich ziehe für heute den Schluss daraus: Es muss auch nicht 
immer so sein wie es ist. Copyleft ist eine Art Notwehr-Freiheit, und das 
ist ok. Es geht aber auch grundsätzlich anders. Und wenn RMS über drei 
Jahre "Schutz"-Frist für das Copyright nachdenkt, dann geht das in die 
richtige Richtung, nämlich in die auf Abschaffung des Urheberrechts. Dass 
man es nicht "einfach so" abschaffen kann, ist mir klar. Ich bin nur 
immer wieder erstaunt über die Verweigerung, darüber überhaupt nachdenken 
zu wollen. Ein Tabu.

> Es ist nicht so (auch nach den herkömmlichen
> Urheberrechtstheorien), dass das Urheberrecht lediglich zur Erzielung
> von Einnahmen dient. Sinn und Zweck der GPL ist es, die
> urheberrechtlichen Befugnisse in anderer Weise als meist üblich zu
> benutzen, nämlich zur   der Freiheit.

Das stellt RMS in dem Talk (auch erst nach einer Frage) klar, dass eine 
Befristung des Copyrights nicht ausreicht, da die GPL mehr regelt als nur 
die Kopierfreiheit.

> Es macht m.E. keinen Sinn das Kinde mit dem Bade auszuschütten, nur
> weil es Kritikpunkte an dem gegenwärtigen Urheberrechtssystem gibt.

Gut, das ifrOSS wäre sonst auch überflüssig;-)

Ich meine: es macht Sinn. Praktisch wird das Urheberrecht sowieso 
zunehmend außer Funktion gesetzt (das Stichwort der sog. "Raubkopien"). 
Die Kritik die kommt, geht ja meist in eine völlig andere Richtung - 
nämlich die der Verschärfung und Sanktionierung. Und da gilt es auf der 
Seite der Freiheit zu stehen, und dass kann man konsequent eigentlich 
nur, in dem man die ganze antiquierte Urheberrechtslogik in Frage stellt.

Ciao,
Stefan

Btw: Wieso benutzt das ifross eigentlich "Outlook"??

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